Liebe Medienvertreter*innen, 

hiermit möchte ich Ihnen die Premieren und Projekte der nächsten Saison vorstellen und Sie herzlich zur Spielzeit 2018/2019 ins THEATER AN DER PARKAUE einladen. Unter dem Claim »Utopien. Pioniere. Zukunft« bringen wir auch 2018/2019 die Vielfalt von Kunst, Ästhetik und Vermittlung auf die Bühne: von assoziativen Performances bis zu detailgenauen Inszenierungen, von Klassikern bis zur zeitgenössischen Dramatik, vom Labor bis zum Gesellschaftsspiel. Vielfalt als selbst gestellte Aufgabe bedeutet auch immer das ewige auf dem Weg sein und den stetigen Abgleich mit der Realität: Wie viel des von Vielfalt geprägten Berlins spiegelt sich wirklich in unserem Haus, in unserer Kunst wider? Wer darf hier mitmachen und wer bleibt (noch) draußen? Im Rahmen des Förderprogramms »360° - Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft« der Kulturstiftung des Bundes sowie des Modellprojekts »Diversity Arts Culture« der landeseigenen Kulturprojekte Berlin GmbH macht sich die Parkaue auf den Weg hin zu einer Öffnung des Hauses für die vielfältige Stadtgesellschaft. Wir wollen Leerstellen offenlegen, Muster aufbrechen, Blickwinkel befragen und erweitern. Wir wollen 360° Parkaue.

Auf der Bühne starten wir mit einer Koproduktion in die neue Saison: UNITED PUPPETS nehmen uns am 8. September zur Uraufführung von »Lunaris. Ein Weltraummärchen« mit in die Unendlichkeit des Universums. Nach Motiven von Jules Verne, Georges Méliès und Antoine de Saint-Exupéry entsteht Science-Fiction für die kleinsten Zuschauer*innen. Die Begegnung von zwei Wesen aus unterschiedlichen Welten rückt immer wieder eine Frage in den Blickpunkt: Ist das Fremde eine Bedrohung oder die Möglichkeit für neue Erfahrungen? Theodor Fontanes »Effi Briest« gilt als Höhepunkt des poetischen Realismus. Im Jahr 2019 jährt sich der Geburtstag des Autors zum 200. Mal. Gemeinsam mit Oliver Schmaering bringt Intendant Kay Wuschek »Effi von Briest« am 19. September zur Uraufführung. Die eigens für das Jubiläum geschriebene Fassung spielt mit Fontanes Roman und legt seine zeitgemäße Relevanz frei. Einen weiteren Klassiker bringt Kay Wuschek aus Rostock mit. In Koproduktion mit dem Volkstheater Rostock entstand dort die Inszenierung »Kabale und Liebe«, die am 16. Oktober ihre Berlin-Premiere feiert. Weniger klassische und mehr zeitgenössische Dramatik gibt es bei Schauspieldirektor Volker Metzler. Am 14. Februar bringt er »Rohe Herzen« von Laura Desprein zur deutschsprachigen Erstaufführung. Das Stück taucht ganz tief in die Gefühlswelten junger Menschen ein. Dorthin, wo sonst niemand hinkommt. Wo es schmerzt und die Einsamkeit am größten ist. Für die Uraufführung »Geschichten aus dem Bauwagen« am 21. Mai 2019 entwickelt Autorin Maria Milisavljević ein Stück für die Parkaue über die Selbstbestimmung junger Menschen: Ihr Bauwagen gleicht einem Zufluchtsort, der jeden und jede aufnimmt, der oder die anders ist. Die erste Inszenierung eines Stücks von Maria Milisavljević an der Parkaue, »Beben«, wurde 2017 für den Friedrich-Luft-Preis nominiert.

Zur Weihnachtszeit bringt Volker Metzler einen zauberhaften Klassiker
für die ganze Familie zur Premiere: Ab dem 16. November zeigen wir Alexandre Dumas' »Der Nussknacker«, der zur Vorlage für Tschaikovskys bekanntes Märchenballett wurde. Die ganze Vielfalt der Parkaue entfalten auch in dieser Spielzeit wieder unsere Gastregisseur*innen. Den Anfang macht David Czesienski, der am 2. Oktober den »Schimmelreiter« von Theodor Storm auf die Bühne bringt. Es ist nach »Biedermann und die Brandstifter« bereits die zweite Zusammenarbeit mit dem jungen Regisseur, der seit 2010 auch im Kollektiv mit Prinzip Gonzo inszeniert. Mit »Crash Boom Click«, das er gemeinsam mit Sigrun und Thomas Kressmann entwickelte, feiert Bernd Sikora am 29. Januar 2019 Premiere. Mit Slapstick, Tanz, Wortwitz und Akrobatik erzählen fünf Schauspieler*innen, Trommler*innen und die geheimnisvolle Klangrohrmaschine rhythmisch einen Tagesablauf. »Die Zertrennlichen« von Fabrice Melquiot in der Regie von Leyla-Claire Rabih, das am 27. März 2019 Premiere feiert, ist ein Stück über das Zusammenleben verschiedener Kulturen auf engem Raum und über die zerstörerische Kraft von Alltagsrassismus. Leyla-Claire Rabih ist Regisseurin und künstlerische Leiterin der Compagnie Grenier Neuf in Dijon. An der Parkaue inszenierte sie bereits »Das Ende von Eddy«. Mit einem Gesellschaftsspiel geht es am 4. April 2019 weiter: das Theater- und Performancekollektiv Turbo Pascal spielen in der Uraufführung »Unterscheidet euch!« – ihrer ersten Arbeit für Kinder – gesellschaftliche Ordnungen mit Kindern durch und versuchen, Unordnung zu stiften. Das Publikum verhandelt in dieser interaktiven Inszenierung selbst, welche neuen Kategorien entstehen und welche Sortierungen die Zukunft nicht mehr braucht. Die berühmte Disney-Verfilmung prägte ganze Generationen, wir jedoch orientieren uns am Original: »Bambi« des österreichisch-ungarischen Schriftstellers Felix Salten feiert am 30. April 2019 in der Regie von Marie Bues, die seit 2013 gemeinsam mit Martina Grohmann das Theater Rampe in Stuttgart leitet, Premiere. »Bambi« ist Marie Bues' erste Inszenierung für Kinder. Wem gehört die Stadt? Wem gehört die Fußgängerbrücke, der Platz vor dem U-Bahnhof, die Freifläche zwischen den Häuserblocks? Um diese Fragen zu beantworten, holt Raphael Hillebrand zur Uraufführung »Die Unbehausten – Der Battle um die Stadt« am 4. Juni 2019 den urbanen Tanz in die Parkaue. Der Choreograf gehört mit seiner Crew »Battle Squad« und mit »Animatronik« zur Berliner HipHop-Community. Für »Peng Peng Boateng« erhielt er den »Ikarus« 2017. Vielfältig werden auch unsere Vermittlungsangebote dieser Spielzeit wieder sein. Wir laden Menschen unterschiedlicher Bezirke, Herkunft, Alter und Erfahrungen ein, in unserem Kosmos Kunstvermittlung gemeinsam mit uns zu forschen, zu gestalten und zu entdecken.

 Mit »Bauwagen mobil«, dem Rahmenprogramm zu »Geschichten aus dem Bauwagen«, steht das THEATER AN DER PARKAUE erstmalig auf Rädern. Wir bringen die vielfältigen Mittel des Theaters in die Kieze. Unsere Route: Im Herbst starten wir in Marzahn, Hellersdorf, weiter nach Malchow und zurück nach Lichtenberg. Ziel ist das große Abschlussevent im Stadtpark an der Parkaue. Bei »Parkaue City. Die klügere Stadt«, einer Kooperation mit dem Futurium, treffen wir uns zwischen dem 20. und 29. Mai 2019 wieder und bauen für eine Woche in Labs am Modell unserer Wunschstadt. Auch unsere Clubs präsentieren selbst entwickelte Stücke im Rahmen von »Parkaue City«. In dieser Spielzeit widmen sie sich dem Berliner Großstadtdschungel. Gesucht werden bis zum 6. Oktober ortskundige Guides und Geschichtensammler, Mauerblümchen und Asphalttiger zwischen 8 und 19 Jahren. Im Club Spezial »Eine Ecke weiter« entwickeln wir mit einem Künstler und dem Grenzgänger e.V. einen medialen Stadtrundgang durch Lichtenberg. Am 15. Oktober präsentieren die Teilnehmer*innen des aktuellen Club Spezials ihre Performance »1.210 km. The space between us«. Ein Jahr lang haben sich Jugendliche aus Berlin und Glasgow digital und im Probenraum kennengelernt. Auf der Bühne zeigen sie mit vollem Körpereinsatz die Suche nach einer Identität, die sich nicht durch ihre Herkunft reduzieren lässt. Die Koproduktion mit Junction 25 von Glas(s) Performance und dem Tramway arts centre Glasgow wird gefördert vom Goethe Institut Glasgow. Als Gastgeber des diesjährigen »Jugend hackt«-Events in Berlin öffnen wir vom 19. bis 21. Oktober 2018 unsere Türen für rund 120 Jugendliche. Die jungen Programmierer*innen finden sich auf Einladung der gemeinnützigen Vereine Open Knowledge Foundation Deutschland und mediale pfade.org in Teams zusammen und tüfteln an Prototypen, digitalen Werkzeugen und Konzepten für ihre Vision einer besseren Gesellschaft. Anschließend verwandeln wir die Parkaue zwischen dem 23. und 27. Oktober zum zweiten Mal in ein digitales Herbstferienlabor. Im »Future.Lab 2.0« holen wir die virtuelle Welt in die Realität, nehmen sie auseinander, verzerren sie und setzen sie neu zusammen. Was ist der Weg von einem Ereignis bis zu seiner medialen Übersetzung im Netz? Und wie könnte eine Geschichte aussehen, die wir aus dem Netz fischen und völlig neu erzählen? Und es geht digital weiter: Vom 17. bis 21. Februar bieten wir Theatermacher*innen in unserem Labor-Festival »Challenge my fantasy – more« explosive technische Settings, in denen sie die Grenzen des Theaters und virtueller Welten ausreizen können. Welche ungeahnten Ästhetiken erwarten uns durch diese Begegnung? Für Multiplikator*innen und Schulklassen bieten wir ab dem 27. Februar »Zoom in: Dein Theaterexperiment« an. In einem Hybrid aus Performance, Workshop und Bühnenproduktion machen wir sichtbar, wie aus dem Zusammenspiel der Theaterelemente unterschiedliche Ästhetiken und Formen entstehen. Egal ob Lehrer*innen, Referendar*innen oder Schulklasse: Hier kann man Theater von innen kennen- und Codes knacken lernen. Ich freue mich darauf, das spannende und abwechslungsreiche Programm der Spielzeit 2018/2019 gemeinsam mit Ihnen zu erleben. 

Herzliche Grüße, Julius Dürrwald